Erleichterungen bei der Erstellung des Jahresabschlusses für Kleinstunternehmen

Bei der Gründung von mealstream haben wir uns für eine Kapitalgesellschaft, genauer gesagt eine Unternehmergesellschaft (UG), umgangssprachlich auch Mini-GmbH genannt, entschieden. Daher heißt die Firma auch mealstream UG (haftungsbeschränkt). Die UG wird rechtlich wie eine GmbH behandelt, nur dass es ein paar wesentliche Vorteile gibt, die die Unternehmensgründung speziell für kleine Startups enorm erleichtern. Als wichtigste zwei möchte ich die folgenden hervorheben:

  1. Das Stammkapital muss bei der Gründung mindestens € 1 betragen, nicht €25.000 wie bei der regulären GmbH.
  2. Die Gründung an sich ist aufgrund von vorhandenen Standardformularen und vergünstigten Honorare für den Notar deutlich einfacher und günstiger als bei Gründung einer regulären GmbH.

Allerdings sollte man darauf achten, dass das Unternehmen stets mit ausreichend Kapital ausgestattet ist, so dass es seinen Verbindlichkeiten nachkommen kann und nicht die Gefahr einer Insolvenzverschleppung besteht. Wird beispielweise mit einem Stammkapital von € 1 gegründet und dann gleich ein Mietvertrag für Geschäftsräume abgeschlossen oder sonstige Beschaffung getätigt, kann das Unternehmen diese Summen aus der eigenen Tasche nicht bezahlen und ist theoretisch zahlungsunfähig. Bei mealstream haben wir uns auf eine Einzahlung ins Stammkapital von € 1.000 bei der Gründung entschieden und stocken dieses monatlich durch Einzahlungen in die Kapitalrücklage auf. Da wir als Gesellschafter kein Gehalt bekommen und sich die Ausgaben für Hosting, Marketing und Sonstiges im Rahmen halten, ist die Gesellschaft mit genügend Kapital ausgestattet. Das Thema „Gründung eines Unternehmens“ werde ich in einem späteren Blogbeitrag noch einmal genauer behandeln.

Nun aber zum eigentlichen Thema des Beitrags: der Jahresabschluss.

Da es sich bei der mealstream UG (haftungsbeschränkt) um eine Kapitalgesellschaft handelt, die wie eine GmbH behandelt wird, gelten für sie auch die gleichen Pflichten zur Aufstellung und Veröffentlichung des Jahresabschlusses. Durch unsere Gründung im Mai dieses Jahres steht also für uns jetzt die erste Erstellung des Jahresabschlusses an.

Dies ist zwar bezüglich des Zahlenteils keine umfangreiche Sache, die Zusatzangeben und Veröffentlichungspflichten hätten hingegen schon einiges an Arbeit gekostet. Umso erfreuter war ich, als ich neulich den Tweet von unserer Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (https://twitter.com/sls_bmj) gelesen habe:

Tweet

Darin bezieht sie sich auf Erleichterungen für Kleinstunternehmen bei der Aufstellung und Veröffentlichung des Jahresabschlusses, welche durch das am 28.12.2012 in Kraft getretene Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz – MicroBilG (http://www.bmj.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/20121228_Erleichterungen_im_Bilanzrecht.html) nun realisiert werden können. Zusammengefasst lassen sich die drei wesentlichen Erleichterungen wie folgt darstellen:

  • Eine Kapitalgesellschaft ist grundsätzlich dazu verpflichtet, einen Anhang zur Bilanz zu erstellen, welcher zusätzliche Informationen zum Inhalt der Bilanz und zu Haftungsverhältnissen wiedergibt. Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen darüber hinaus über die Lage der Gesellschaft in einem Lagebericht berichten. Das MicroBilG ermöglicht es Kleinstunternehmen, auf die Erstellung eines Anhangs zu verzichten, wenn bestimmte Haftungsverhältnisse in Kurzform unterhalb der Bilanz genannt werden.
  • Durch die Nutzung eines vereinfachten Gliederungsschemas der Bilanz, abweichend von § 266 HGB und unter Berücksichtigung des Verzichts auf die Bilanzierung von latenten Steuern, darf die Bilanz nun mit einer geringeren Detailtiefe dargestellt werden. Es genügt folgende Positionen darzustellen:
Aktivseite Passivseite
Anlagevermögen Eigenkapital
Umlaufvermögen Rückstellungen
Aktiver Rechnungsabgrenzungsposten Verbindlichkeiten
Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung Passiver Rechnungsabgrenzungsposten
  • Die dritte Änderung – eine Erleichterung ist es meines Erachtens nicht  – bezieht sich auf die Offenlegungspflichten von Kapitalgesellschaften. Bis zum 28.12.2012 mussten Kapitalgesellschaften ihren Jahresabschluss (Bilanz und Anhang) im elektronischen Bundesanzeiger (www.bundesanzeiger.de), innerhalb von einer vorgeschriebenen Frist von 12 Monaten nach der Erstellung des Jahresabschlusses, veröffentlichen. Jeder, der Interesse daran hatte, konnte diese nun auf den Seiten des Bundesanzeigers im Internet einsehen. Die Änderung des MicroBilG sieht nun vor, dass Kleinstunternehmen die Möglichkeiten haben, die Bilanz nur beim Bundesanzeiger zu hinterlegen. Eine elektronische Kopie ist dann nur nach einer Registrierung beim Registergericht und Entrichtung einer Gebühr erhältlich.

Diese Änderungen gelten wie gesagt nur für Kleinstunternehmen (s.o.). Ein Unternehmen, welches weniger als 10 Mitarbeiterbeschäftigt und einen Umsatz oder eine Bilanzsumme von weniger als € 2 Mio. aufweist, gilt laut Definition der EU als Kleinstunternehmen.

Insgesamt finde ich die Idee, die Aufstellungs- und Offenlegungspflichten von Kleinstunternehmen abzuspecken, sehr gut. Jedoch ist dem MicroBilG mit den Änderungen kein Riesenwurf gelungen. Einzig der erstgenannte Punkt stellt wirklich eine Erleichterung dar. Auch wenn die Vielfältigkeit der Anhangsangaben eines Kleinstunternehmens beschränkt ist, können durch den Verzicht auf die Erstellung eines Anhangs Zeit und Ressourcen gespart werden.

Die vereinfachte Bilanzgliederung ist nur für die Unternehmen eine Vereinfachung, die für ihre Buchführung keine Software verwenden und die Bilanz manuell selbst erstellen. Zudem lassen sich dadurch zumindest die Kosten des Steuerberaters zur Erstellung des Abschlusses reduzieren.

Die dritte Änderung stellt für mich keine Erleichterung dar, da ich die Bilanz wie gehabt an den Bundesanzeiger übermitteln muss. Und auch vor den interessierten Augen der Konkurrenz ist man dadurch nicht geschützt, da man die Bilanz dennoch, für eine Gebühr von € 4,50, zugestellt bekommt.

Was haltet ihr von dem Gesetz?

Viele Grüße

Euer André

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